Für viele Solopreneure ist das Büro zuhause aus der Not geboren, andere sind Überzeugungstäter und haben sich ganz bewusst aus ihren Bürogemeinschaften gelöst und sind mit Ihren Ordnern und Rechnern zuhause eingezogen. Solopreneure, die kleinere Kinder haben und von daheim aus arbeiten, sind besonders gefordert. Dazu gleich mehr.

Anfangen oder Aufhören

Interessant fand ich bei meiner Recherche zu diesem Beitrag, dass viele Solo-Unternehmer befürchten, die Ablenkungen zuhause seien zu groß, um konsequent und ernsthaft zu arbeiten.
Ich habe nach 15 Jahren im Home-Office eine ganz andere Herausforderung zu meistern.
Und die heißt: Aufhören.
Meine Arbeit geht mir leicht von der Hand, ich betrachte sie noch nicht einmal als Arbeit, weil mich das, was ich tue, in Flow versetzt. Doch irgendwann muss auch mal Schluss sein. Im Home-Office ist es so leicht, eine Idee umzusetzen. Sie schießt einem in den Kopf, man spielt sie durch, setzt sich an den Schreibtisch und macht ein paar Notizen, klickt ein wenig. Dumm nur, dass es  schon wieder 22.57 Uhr ist und der Rest der Republik seinen wohlverdienten Feierabend genießt (den ich mir genauso verdient habe) oder schon im Bett liegt.

Hier meine Tipps:

1. Setze  Dir  feste Bürozeiten.

Dieser Tipp mag ausgelatscht sein und Sie haben ihn bestimmt schon einige Male gelesen. Wenn Sie aber am Abend nicht aufhören können, ist das genau Ihr Thema.

Mein Arbeitstag geht von 8.30 bis 13.45 Uhr und an manchen Abenden noch einmal von 20.30 bis 22.00 Uhr. Und dann muss Schluss sein. 15 Minuten vorher höre ich auf zu arbeiten und schreibe eine Liste für den nächsten Tag. Ich plane meinen Vormittag und lege fest, wie viel Zeit ich für welche Tätigkeit aufwenden werde. Durch das Zeitlimit arbeite ich sehr fokussiert. Es hilft mir, besser einzuschätzen, was machbar ist und was nicht. Anhand der abgehakten Aufgaben sehe ich, dass ich zufrieden sein darf und bin es auch. Den Nachmittag kann ich dann im Kopf entspannt und liebevoll mit den Kindern verbringen. Alles was nicht erreicht wurde, kommt wieder auf die Liste und wird beim nächsten mal zeitlich großzügiger geplant.

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2. Halte  Deine  Ideen  fest

Statt sich außerhalb Ihrer Bürozeit wieder an den Schreibtisch zu setzen und „eben mal“ was nachzusehen (daraus wird ganz schnell eine Stunde) notiere, was Du nicht vergessen willst. Das geht gut auf Papier, besser finde ich jedoch die App Evernote. (Du kannst Dich hier kostenlos anmelden und erhältst einen Premium-Monat gratis.) Evernote synchronisiert sich automatisch mit all Deinen Geräten. Da geht nichts verloren.
Ausnahme: Das Schlafzimmer. Hier haben Arbeitsgeräte – und dazu gehört auch mein Smartphone – nichts zu suchen. Am Bett habe ich Papier und Bleistift liegen. So vergesse ich nichts und kann besser den Tag loslassen und einschlafen.

3. Mach die Tür zu

Ich kenne Solopreneure, deren Arbeitszimmer ist eine Unterabteilung ihres Schlafzimmers. In dieser Umgebung hätte ich gleich zwei Probleme – ein geschäftliches und ein privates. Richte Dir immer ein abgetrenntes Arbeitszimmer ein. Ich hatte jahrelang ein Büro, das etwa die Größe eines Schuhkartons hatte, aber ich konnte die Tür schließen und eine klare Grenze ziehen. Kleine Büros zwingen auch zur Ordnung und Klarheit – ein großer Vorteil.

Dein Geschäftstelefon sollte so leise gestellt sein, dass Du es wirklich nur im Büro hören kannst. Nicht, dass Du während des Mittagessens aufspringst, weil es klingelt. Dafür gibt es Anrufbeantworter und Wiederwahltasten.

4. Digitalisiere  was  geht

Seitdem ich mein Büro systematisch digitalisiere – ich scanne Dokumente, speichere sie und werfe dann das Papier weg – ist es leichter und ordentlicher um mich herum geworden. Mein Büro ist dort, wo ich bin. Das macht mich unabhängiger und hilft mir, meinen Arbeitsplatz so klein wie möglich zu halten. Mein Büro ist zwar in meinen Wohnraum integriert, übernimmt aber nicht die Herrschaft. In erster Linie muss ich Leben, Liebe und Fröhlichkeit in meiner Wohnung spüren und nicht Konzepte, Telefon und Termine – auch wenn ich mein Business liebe.

Das war nicht immer so. Eine Zeitlang hatte ich das Gefühl, unsere Wohnung ist nur noch mit Arbeitsenergie angefüllt. Wir lebten im Büro.

5. Verteidige Deinen Wohnraum mit Hauen und Stechen

Im Home-Office besteht immer die Gefahr, dass sich die Bereiche zu sehr mischen. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, klare Grenzen zu ziehen. Du benötigst einen Raum, in dem Du Buisnessmensch bist und einen in dem Du Familienmensch bist und am besten einen, in dem Sie nur Du selbst bist. Es ist verlockend und auch sinnvoll, Balkon und Wohnzimmer zum Arbeiten zu nutzen. Achte aber darauf, keine Spuren zu hinterlassen. Wie gut, wenn man ein nahezu papierloses Büro hat (Tipp 4) und einfach nur ein Notebook auf- und danach wieder zuklappen kann. So trägst Du Deine Arbeit wieder ins Büro zurück und verteilen sie nicht im gesamten Wohnraum.

6. Achte auf soziale Außenkontakte

Ich habe in der Anfangszeit der Soloprenesse teilweise 12 Stunden am Tag gearbeitet. Manchmal kam ich nur raus, weil der Hund mal vor die Tür musste. Das war Wahnsinn und Schwachsinn zugleich. Ich wurde immer einsamer, obwohl ich eine Familie habe. Ich habe meine sozialen Kontakte vernachlässigt, was aber noch schlimmer war – ich bin lieblos mit mir selbst umgegangen und habe nicht darauf geachtet, mich mit äußeren Kontakten und Sinneseindrücken zu nähren.
Jetzt gehe ich raus an die frische Luft, wenn mir der Kopf raucht, mache mal blau, wenn mir danach ist (was allerdings eher die Ausnahme ist) und mache bewusster Pausen. Es gibt feste Termine in meinem Kopf und Kalender, die nur für mich sind.